Kinder-MTB Ratgeber #3: Starr- oder Federgabel? Hardtail oder Fully?

Artikel veröffentlicht:10 Apr, 2020 in: Jugendfahrräder, Kaufberatung, Kinderfahrräder, Ratgeber
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Starrgabel oder Federgabel, das ist hier die Frage. Vor allem eine von Fahrergewicht und Fahrkönnen | Foto: Sören Zieher

Im dritten Teil der "Gute Kinder Mountainbikes"-Serie richten VPACE aus Ravensburg ihren Blick aufs Fahrwerk von Kinderbikes. Ungefedert? Mit Federgabel? Oder gleich ein Fully? Das sind die Fragen zu Kinder-MTBs, auf die es heute die Antworten gibt.

(Vorherige Artikel der Serie verpasst?
>> In Teil 1 ging es um Laufradgrößen und Geometrien von Kinder-Mountainbikes
>>Der zweite Teil erklärte, warum niedriges Gewicht bei Kinderbikes besonders wichtig ist )

Federgabel am Kinderbike: Ja oder Nein?

Manche glauben ja, dass ein Mountainbike nur dann ein echtes Mountainbike ist, wenn es mit einer Federgabel daherkommt ist. Klar, das sieht ja auch cooler aus, wie bei den Bikes der Großen. Doch ob eine Federgabel Sinn macht oder nicht, hängt vor allem von Einsatzbereich und Fahrkönnen ab. Und, Ihr ahnt es, davon, wie schwer ein Bike sein darf. Denn eine Federgabel drückt auf’s Gewicht. Selbst hochwertige Federgabeln machen das Bike mindestens ein Kilogramm schwerer als eines mit einer Starrgabel. Und da wir seit Teil 2 unserer Serie wissen, wie Gewicht und Fahrspaß zusammenhängen, sollte die Entscheidung für ein Bike mit oder ohne Federgabel wohl überlegt sein.

Ein straffes Fahrwerk schult die Linienwahl

Ist Euer Sprössling eher moderat unterwegs, beherrscht er oder sie gerade mal die Grundlagen der Fahrtechnik, könnt Ihr getrost auf eine Federgabel verzichten. Setzt stattdessen auf eine leichte Starrgabel, eine prima Alternative, um das Gewicht möglichst gering zu halten. Dazu kommt: Die ganz Kleinen bis etwa 20 Kilogramm sind in der Regel zu leicht, um eine Federung überhaupt spürbar zu aktivieren.

Eine Starrgabel aus Alu oder Carbon hat durchaus ihre Vorzüge, gerade am Anfang. Ein derart straffes Fahrwerk schult die Linienwahl, korrekte Gewichtsverlagerung und damit die Fahrtechnik. Vor allem profitiert das Kind vom geringeren Gewicht, weil es einfach schneller voran und auch etwas leichter die Berge rauf kommt. Wer seinem Kind mehr Komfort bieten möchte, kann ja in erster Instanz auf breitere Reifen upgraden, sofern Rahmen und Gabel das zulassen. Durch das größere Volumen haben sie mehr Grip und können mit weniger Luftdruck gefahren werden, das bringt schon einiges an Dämpfung – bei überschaubaren Kosten und nur geringem Mehrgewicht.

Vorne gefedert in der Spur

Friedas MAX20 kommt kinderleicht mit einer Carbon-Starrgabel daher, das MAX24 ihres großen Bruders Matti ist mit der neuen VPACE-SL24/60-Federgabel ausgestattet. Die Saso-Gabel zeichnet sich durch ein weiches und damit kindgerechtes Ansprechverhalten aus und bringt das Bike auf gerade mal 8,5 Kilogramm Gesamtgewicht. Aber egal ob mit Starr- oder Federgabel – Hauptsache rot. || Foto: Sören Zieher

Erst wenn die Kids etwas größer und mit verbesserten Skills aktiver auf dem Bike unterwegs sind, werden Federelemente und damit eine bessere Dämpfung unumgänglich. Und gerade für junge Wilde, die am liebsten verwurzelte Trails rocken, die ihre Bikes gerne an Stufen oder mit fetten Jumps an ihre Grenzen bringen, für die ist eine Federgabel dann doch auch wichtiger als ein eingespartes Kilo.

Eine Federgabel ist zwar schwerer als eine Starrgabel, entschärft aber Bodenunebenheiten und hilft, das Vorderrad in der Spur zu halten. Außerdem sind Bremsen an einer gefederten Front effektiver, weil die Stollen mehr Grip haben. Die Kinder behalten besser die Kontrolle über das Bike und meistern auch längere Touren ermüdungsfrei. Je hochwertiger eine Federgabel, desto leichter, und desto besser können Federvorspannung beziehungsweise Luftkammer und Rebound auf Anforderungen und Fahrergewicht eingestellt werden.

Trailspaß mit vollgefedertem Fahrwerk

Sein Fully MORITZ stattet VPACE je nach Rahmengröße mit Gabeln von Saso, RockShox oder Fox aus. Am Heck arbeitet jeweils ein Fox-Float-Dämpfer. Damit lässt sich das Fahrwerk immer optimal auf Körpergewicht und Können von kleinen Bikern wie Frederik abstimmen. || Foto: Anna Wenisch

Nachwuchsracer kommen mit einem leichten Hardtail auf ihren Hometrails in der Regel ganz gut klar. Vor allem im Uphill sind sie den Fullys überlegen. Doch sobald die Kids ihr Fahrrad so gut beherrschen, dass sie in den heimischen Wäldern auch knackige und technische Trails sicher meistern. Das Bike mit Spaß und Speed über Wurzelteppiche jagen und durch Anlieger drücken. Und im Downhill-Modus mutig über die Drops hechten. Dann darf es gern ein bisschen mehr sein, dann ist ein Fully angesagt. Und spätestens dann steht auch einem Ausflug in den Bikepark nichts mehr im Wege.

Fahrwerk individuell auf das Körpergewicht anpassen

Bei vollgefederten Rädern gilt natürlich umso mehr: Der Hinterbau samt Gelenken und der Dämpfer machen das Bike im Vergleich zu einem Hardtail signifikant schwerer. Gute, also leichte und besonders sensible Dämpfer sind daher eine sinnvolle Investition. Entscheidend ist auch, dass das Fully-Fahrwerk individuell eingestellt werden kann, damit es richtig funktioniert. Schließlich wachsen die Kids weiter, werden schwerer, also müsst Ihr das Setup jeweils anpassen; das geht bei einem Luftfahrwerk am besten und einfachsten. Außerdem solltet Ihr darauf achten, dass Dämpfer und Federgabel aufeinander abgestimmt sind. Eine straffe Federgabel vorn, ein weicher Dämpfer hinten oder umgekehrt machen wenig Sinn. Und ein Lockout an Gabel oder zumindest Dämpfer verhindert, dass das Fahrwerk mit jedem Tritt in die Pedale einwippt und damit Kraft verpufft. Damit geht’s auch auf knackigen und langen Anstiegen leichter.

Nachwuchsracer wie Noah kommen mit einem leichten Hardtail auf ihren Hometrails, in gemäßigtem Gelände in der Regel ganz gut klar. Vor allem im Uphill sind sie den Fullys überlegen. Bergab allerdings machen die vollgefederten Trailraketen auf den heimischen Naturtrails nicht nur mehr Spaß. Sie geben zudem auf Speed (mehr Bodenkontakt) und bei kleinen Sprüngen (Reserven bei der Landung) mehr Sicherheit. || Fotos: Daniel Geiger und Anna Wenisch

Die Auswahlkriterien noch einmal in der Übersicht

  1. Starrgabel statt Federgabel je nach Einsatzzweck und Fahrkönnen.
  2. Bei kleinen Bikes bieten breite Reifen mit wenig Luftdruck ausreichend Dämpfung.
  3. Ungefedertes Fahrwerk schult Linienwahl, Gewichtsverlagerung und damit Fahrtechnik.
  4. Hochwertige Federgabeln sind leichter und sensibler.
  5. Eine Federgabel entschärft Bodenunebenheiten und hält das Vorderrad in der Spur.
  6. Bremsen an gefederter Front sind effektiver, weil die Reifen mehr Grip haben
  7. Federgabeln versprechen mehr Kontrolle und ermüdungsfreies Fahren.
  8. Bergauf und im gemäßigten Gelände liegen Hardtails gegenüber Fullys klar im Vorteil.
  9. Fullys vor allem für den Einsatz auf technisch anspruchsvollen Touren sinnvoll.
  10. Dämpfer und Federgabel sollten aufeinander abgestimmt werden können.
  11. Gesamtes Setup sollte möglichst an sich veränderndes Fahrergewicht angepasst werden können.
  12. Mit Lockout an Gabel und Dämpfer geht’s auch auf langen Anstiegen leichter.

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Das war es für heute. Wenn Ihr Fragen oder Anmerkungen zum Thema habt: VPACE antworten  Euch gerne im Kommentarbereich. Oder Ihr wendet Euch direkt an VPACE.

Stay tuned & Ride Unique! ;-)

>> Und hier geht es schon weiter zum 4. Teil des Ratgebers. Dort geht es um hochwertige Komponenten an Kinder-MTB. Bremsen, Schaltung und Dropper-Post.

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