Bikepacking mit "Kind" - Teil 4 - Pferde und der beste Campingplatz

Artikel veröffentlicht:28 Aug, 2019 in: Ausrüstung, Kinderfahrradfinder, Touren
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In den Sommerferien 2019 habe ich die Frage meiner 13-jährigen Tochter laut mit "Ja!" beantwortet, als sie fragte, ob wir mal eine Fahrradtour machen können. Eine ausgiebige Tour mit ihr hatte ich mir sowieso schon lange erträumt. Und 13 ist bekanntermaßen ein Alter, ab dem es nicht mehr lange dauert, bis Urlaub mit den Eltern dann oft nicht mehr unbedingt gewünscht wird. Also habe ich diese vielleicht letzte Chance beim Schopf gepackt: Fast 3 Wochen Vater-"Kind"-Tour entlang der Grenze Polen/Slowakei. 

Folgend die Links zu den vorausgegangenen Teilen des Berichts:

Teil 1 - über Planung & Ausrüstung

Teil 2 - Anreise und die ersten vier Tourtage

Teil 3 - Tage 5 & 6 

Ihr seht: Der Detaillierungsgrad ist hoch :)

Jetzt aber weiter:

Tag 7 - Grüne Grenze, Baden in Pferden & Fähnlein Fieselschweif

Unser Wild-Zeltplatz am Grenzfluss erwies sich am Morgen als so schön, dass hier das Teaser-Foto aus dem vorigen Teil des Berichts wiederholt werden muss:

Nach einem Bad im Fluss ging es frisch (und gesund!) entlang des Ufers gen Polen...

...und - mal wieder erst im Nachhinein bemerkt - über die Grenze:

 

Kurz hinter diesem Dickicht begann eine Baustelle. Straßenarbeiter waren bereits recht weit damit gekommen, den verwurzelten Pfad in einen betonierten, touristischen Radweg zu verwandeln. Wer diese grüne Grenze also nochmal so erleben will, muss sich verdammt beeilen....

In den folgenden Stunden habe ich nicht fotografiert. Die Erzählung muss reichen

Wir landeten in einem polnischen Kurort namens..., ach schaut auf der Strava-Karte ;-) Jedenfalls gab es da ein extrem mondänes Eiscafé vor/im Einkaufszentrum. Riesen-Eisbecher für N. , Riesen-Arona-und Waldbeeren-Shake für mich. Prenzlauer-Berg-Heimatfeeling ;-)  

Das Cafe war gleichzeitig ein Naturkostladen vor dem Herrn - im Vergleich könnte einem jeder deutsche Bio-Supermarkt wie der hinterletzte Billig-Discounter vorkommen.... Ich erstand lauter Superfood-Wahnsinnsriegel und Nuss-Sorten, von denen ich noch nie gehört hatte. Denn N. war kein großer Fan der Protein- und Gel-Kolenhydrat-Synthetik in unserem Gepäck. 

Und: Getrocknete Ananas... Leute, kauft getrocknete Ananas, wenn Ihr welche seht. Getrocknete Mango ist nichts dagegen: Getrocknete Ananas riecht extrem wie Ananas. Schmeckt aber wenig danach - ist aber hammerlecker. Und man spürt die Energie richtiggehend ins Blut schießen.

Und ich hatte aus meinem Anfängerfehler am 1.Tag gelernt: Im Supermarkt des Einkaufszentrums füllte sich mein Daypack mit frischem Obst, Gemüse, zwei Broten, feinstem Käse, Nudeln, Räucherfisch, Saucen in Gläsern - und ich weiß nicht mehr, was noch - bis zum Bersten. Abendessen, Frühstück, Abendessen und notfalls nochmal Frühstück ;-). Achtung! Werbe-/Affiliatelinks: Natürlich nach den Fahrrädern - und neben dem Big Agnes Zelt -, war dieser wohlsortierte Rucksack von VAUDE mein zweitliebstes Ausrüstungsstück.

Der weitere Weg: Radweg am Fluss, Radweg an der Straße, kleine Straßen, zickzack durch Einfamilienhaus-Wohngebiete... ein weiteres Mal, danke an Komoot: Die Direktroute wie man sie vielleicht nur auf einer Papierkarte gefunden hätte, wäre einfach eine dicke, fette Bundesstraße - viel befahrenes Auto-/LKW-Land - gewesen. Dank Komoot zirkelten wir einfach extrem elegant und entspannt - und trotzdem auf perfektem Asphalt - an ihr vorbei. :) 

Es gibt wieder Fotos :D

Nach dem Asphalt kam Plattenweg (Kopfsteinpflaster sucht man in der Region übrigens eher vergeblich. Wer altertümliches Pflaster oder andere Infrastruktur-Abenteuer sucht,, muss im rückständigen Deutschland bleiben und fortschrittliche Länder wie Polen meiden :P ) - also Plattenweg steil bergauf - Ausnahmsweise mit Foto mit mir, statt N. auf der letzten Höhe:

Dann steil bergab. Schwarze Kühe.... - 

....insgesamt sah es hier aus, wie im wilden Westen - und dann plötzlich wieder so ein verblüffender Abbiegehinweis mitten im Rollen weg von der inzwischen ganz normalen Straße durch ein Dorf... Da waren aber nur verschlossene Tore vor Privathäusern. No way, Komoot! 

Ein Tor - halbwegs in der vorgegebenen Richtung - war aber offen. Augen zu und durch. Maschinengläubigkeit statt gesundem Menschenverstand. Die künstliche Intelligenz wird es schon wissen... 

Aber Menschen wissen es halt doch besser: "Hey!!, [irgendwas auf Polnisch]"... "Sorry, do you speak english?"... "Where do you want to go?!"... Wir erklärten es, hilflos auf unser Navi deutend... "Please sit down!". Wir setzen uns zu dem Mann mit der bestimmten Stimme an den Tisch vor einem Stallgebäude - und bekamen erstmal Kaffee und kaltes Wasser von einem seiner Angestellten gebracht. Denn er entpuppte sich als der Herr über eine 400-Hektar-Ranch mit Pferde- und Kuhherden. 

Aber Pferde! Besser hätte es nicht kommen können. N. liebt Pferde ;-)

Das Resultat: Wir ließen unsere Räder stehen, setzten uns mit dem Chef ins Auto, rasten ein-, zwei Kilometer abenteuerliche Wege entlang über die Ranch zu einer unübersehbar riesigen Pferdeweide, - auf der keine Pferde zu sehen waren. Und dann wild hupend mitten drauf: Warum das Hupen? Die Pferde kommen, wenn gehupt wird, erklärte uns der Chef. 

Und so war es:

Nach diesem Töchter glücklich machenden Bad in Pferden folgten wir notgedrungen dem Rat, statt der Route über die Ranch, bessere Straßen außen herum zu nehmen. 15km Umweg - zur Hälfte bergab und dann wieder bergauf. Aber wie hätten wir bei so viel Gastfreundschaft widersprechen können... 

Ok. Hier habe ich Kulturbanause dann doch auch mal ein Foto von so einer Holzkirche geschossen, wie sie typisch für die Gegend ist:

Etappenziel für heute war ein Campingplatz, von dem ich mir viel versprach... (Die Campingplatzauswahl funktionierte stets nach folgendem Prinzip: Campingplätze in Tagesreichweite in Osmand anzeigen lassen -> nacheinander anklicken ->Bezeichnung kopieren & in google suchen -> der mit den vielversprechendsten Bildern/Erwähnungen wurde dann auserkoren).

Und dieser Platz übertraf all meine Hoffnungen etwas Passables gefunden zu haben um Längen: In Polen gibt es eine bestimmte Sorte von Campingplätzen, die nur in den Monaten Juli und August betrieben werden. Und zwar von idealistischen Studenten, die sich jeweils zu zweit im Wochenwechsel um den Campingplatz ihrer Uni kümmern. 


Dabei wird althergebrachte Tradition aufrecht erhalten: Kein Strom - aber wer auch immer morgens als erster aufwacht, entfacht das Lagerfeuer und hängt einen Kessel mit Wasser darüber. 

Keine Waschräume - aber eine professionelles Plumpsklo am Ende eines kleinen Pfads. Und eine Quelle zur Dusche ausgebaut in einer anderen Richtung:


 ...und dann noch eine Quelle woanders für Trinkwasser. Kein Restaurant und kein Kiosk - aber alles zum Kochen über dem Feuer Benötigte in einer Schutzhütte - inklusive Kaffee, Öl, Gewürzen und allerlei Anderem, das Wanderer in der Regel nicht mit sich schleppen.

Das Beste: Geräumige Zelte stehen schon. Keine Notwendigkeit selbst aufzubauen. Zumal die vorhandenen Zelte mit Matratzen ausgestattet sind. Wer mag da noch auf seiner Isomatte schlafen? Erholung pur!

Und abends Gitarre, Tee aus selbst gesammelten Kräutern und Lieder am Feuer bis weit nach Mitternacht als wir schon lange in unseren gemütlichen Betten lagen. N. war selig: Willkommene Gemeinschaft auch mit anderen Kindern, statt immer nur ihr Vater ;-) Und Lieder zum Einschlafen! Auch wenn N. mit ihren 1,76m von allen viel älter geschätzt wird: Mit 13 Jahren ist auch sie in Wirklichkeit noch Kind.,,,

N. - heute schläfst Du definitiv gut!

...und morgen würde es einen Ruhetag geben: Der Platz ist so schön und es ist Regen angesagt.

>>Der 7.Tag auf Strava - die Route und mehr Bilder

Tag 8 - Ruhetag, kein Regen, Hormone & eine Nachtwanderung

Regen war angesagt. Es kam aber keiner. (Und so blieb es auch während unserer kompletten, restlichen Reise. Fast täglich nasse Vorhersagen und ein "Radar" demzufolge wir gerade durchweicht würden - bei absoluter Trockenheit)

Also chillen...


...ein kleiner Ausflug.:


...Minze sammeln für den Tee:


...und als wir zurück waren, war da zwischenzeitlich so eine Gruppe junger Wanderer - so um die 17 Jahre alt - angekommen. Einer von ihnen sah N. ...und wich ihr nicht mehr von der Seite. Ich sah sie sich miteinander unterhalten... und hielt dezent Abstand. Wollte ja nicht *so* ein Vater sein ;-). Zumal ich, als ich einmal mit dem Jungen ins Gespräch kam, merkte, dass er so gar nicht wusste, worüber er mit mir reden soll.

Spoiler: Als wir den Platz am nächsten Tag verließen, offenbarte mir N. sofort, dass sie froh war, den Jungen nicht mehr an der Backe zu haben: Er wusste auch mit ihr nichts von Interesse zu besprechen. N. fand ihn "creepy". Ja fand ich auch. Harmlos und nett - aber in seiner Hormongesteuertheit irgendwie... ja: "creepy".

Aber er hatte coole Freunde, die gegen 22h beschlossen, noch eine Nachtwanderung hoch auf den Berg zu unternehmen, an dem der Campingplatz lag. Und da dort oben auf dem Gipfel ein 1.Weltkriegs-Friedhof lag, wurde es sozusagen noch ein bisschen "creepier" ;-)

(Es war da zappenduster. Das Blau im Foto ist irgend so eine Handykamera-Zauberei.)

Aber creepy hin oder her: Die Wanderung war toll und wir fanden auf dem Weg eine riesige Kröte:

Das war unser erster "Ruhetag". 

Gute Nacht!

(Video lohnt nur mit Sound)



to be continued....

.....

p.s: Kinderfahrradfinder.de ist mehr als "nur" dieser Blog. Für diejenigen Leser die Kinder haben, lohnt sich daher auch mal ein Blick auf die Startseite.

Und hier nochmal die Links zu den vorherigen Teilen des Tourberichts:

Teil 1 - über Planung & Ausrüstung

Teil 2 - Anreise und die ersten drei Tourtage

Teil 3 - Tage 5 & 6 



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